DER AGILECOACH –
WAS BRINGT ER UNS?
MAN KANN DAS AUTO NICHT ANSCHIEBEN, IN DEM MAN SITZT.

VON TOBIAS WINKLER, AGILECOACH UND ASSOCIATED PARTNER AS&P

Viele technologieorientierte Firmen beschäftigen sich intensiv mit der agilen Methode und denken über ihre Einführung im Unternehmen nach. Mit großer Begeisterung probieren die ersten Teams die Methode in Pilotprojekten aus und hoffen auf ungeahnte Erfolge. Welche Rolle spielt dabei der AGILECOACH?

Agile verspricht große Erfolge: zufriedenere Teams, eine höhere Transparenz in den Projekten, schnellere Marktpräsenz – um nur einige zu nennen. Die richtige üder Methode ist ein wichtiger Schritt dahin. Mindestens genauso wichtig ist es aber, die Unternehmenskultur, also die unbewussten Gewohnheiten und Einstellungen zu beachten und dem anzupassen. Dieser Aspekt wird häufig unterschätzt oder gar nicht bedacht – eben weil es sich um unbewusste Muster handelt.

Klare Methodik und praktische Umsetzung

Die erste Hürde: Die Methodik, bzw. ihre praktische Umsetzung bei der Gestaltung des «agilen Alltags» ist nicht ganz klar. So stehen zu Beginn der Agile-Einführung oft gesunde Skepsis, nachvollziehbare Missverständnisse und vor allem ganz viele Fragen im Raum: Darf bei Agile jeder machen, was er will? Welche Rollen gibt es und welche Verantwortungen haben diesen Rollen? Wird bei Agile noch geplant? Wie funktioniert agile Planung? Und wie kann sie mit klassischen Projektplänen verbunden werden? Wie funktioniert eine Demonstration? Was wird in einer Retrospektive besprochen? Wie kann ein Daily nach nur 15 Minuten zu Ende sein?

Antworten auf diese Fragen sind nachzulesen oder werden in Trainings und Seminaren intensiv vermittelt. Auf rationaler Ebene kann jeder nachvollziehen, wie Agile funktioniert. Und schnell bekommt man eine Idee davon, in welchen Projekten die agile Arbeitsweise ausprobiert werden kann. So erscheint die Einführung im eigenen Team ziemlich leicht: Also los, packen wir es an!

Probleme mit der Methodik – der Prophet im eigenen Land

Besonders in den ersten Wochen des agilen Ausprobierens ergeben sich (berechtigte) methodische Fragen. Unsichere Teams, die den AGILECOACH aus ihren eigenen Reihen bestimmen oder ganz ohne AGILECOACH starten, finden sich allzu schnell in nicht enden wollenden Diskussionen über die Methode wieder. Denn wer kann ihnen glaubhaft vermitteln, wo die Methodik eher strikt eingehalten werden sollte (und warum), und wo nicht? Wer trifft die Entscheidung darüber, dass genau dieses Vorgehen für die Organisation momentan besser ist, als stur am Lehrbuch festzuhalten?

Da können selbst dem tapfersten Kollegen, der derzeit den Agile-Hut trägt, schnell die Argumente ausgehen.

Auf rationaler Ebene kann jeder nachvollziehen, wie Agile funktioniert.

Und die AGILECOACHes aus den eigenen Reihen, Mitarbeiter mit guter Reputation, hoher Motivation und oft genug einem echten Talent zum Coachen werden nicht richtig akzeptiert: Der oder die hat das ja selbst gerade erst gelernt!

Bei einer solchen Dynamik bleiben tatsächlich viele Teams mit besten Absichten in einer unbefriedigenden Sackgasse stecken. Die ach so klaren agilen Prinzipien und Methoden «funktionieren bei uns eben nicht», heißt es dann oft. Dabei würde den meisten Teams ein sicher moderierter Rahmen genügen, um die Methodik für sich entdecken und ausprobieren zu können.